Motiviert in Leh (3500 Meter) aufgewacht mit dem Vorsatz, heute nix allzu anstrengendes zu unternehmen. Zumindest was weitere Hoehenmeter angeht, moechte ich mich noch ein wenig zurueckhalten. Der Respekt vor der Hoehenkrankheit ist durchaus vorhanden.
Nach wenigen Metern begegnet mir ein Trupp junger Leute mit Akkreditierungsausweisen um den Hals. Denke im ersten Moment, es wuerde sich um das Filmteam von Richard Gere handeln. Dieser dreht derzeit hier, da ihm in Tibet aufgrund seiner politischen Aktivitaeten die Drehgenehmigung verweigert wurde.
Statt dessen handelt es sich um einen Trupp Freiwilliger die die Verpflegung fuer das erste Radrennen auf den Khardung La (5602 Meter und hoechster befahrbarer Pass) organisieren. 39 Km und 2000 Hoehenmeter. Naja, wenn alle Raetselhefte geloest, alles Bier getrunken und auch sonst nix im Fernsehen laeuft, kann man mal auf so einen Gedanken kommen. Ein Berg, ein Rad, warum nicht mal kurz raufgeradelt? Zur Not laesst sich von oben immer noch prima runter schauen.
Sinn und Zweck des ganzen ist jedoch eine Spendensammlung und die Werbung fuer den Tourismus in Leh.
Einer vom Trupp spricht mich an und laedt mich zu. Ich strebe somit, zusammen mit ca 15 Ladakhi, auf der Ladeflaeche eines Trucks dem Himmel entgegen. Bequem soll dieser Weg ja noch nie gewesen sein, daran hat sich scheinbar auch nix geaendert. Auf dem Weg nach oben entladen wir 5 Streckenposten inclusive Wasser und Apfelsaft.
Nach einigen Kilometern weist mich mein Gastgeber darauf hin, dass ich eigentlich eine Genehmigung fuer den Aufenthalt im Grenzgebiet benoetigen wuerde. Ich solle einfach behaupten, der Organisator des Rennens haette die Genehmigung fuer mich und wuerde diese spaeter nachreichen. Am besten waere es jedoch, man wuerde mich erst gar nicht bemerken.
Der Checkpoint kommt naeher und ich versuche mit den Apfelsafttetrapaks zu verschmelzen. Obwohl ausser zurueckschicken nicht viel passieren kann, pochert des Apfels Kern
.
Ich bin durch, niemand hat mich bemerkt. Stehe auf und recke dem Checkpoint die Mittelfinger entgegen. Haette fast cool ausgesehen. Waeren wir nicht in diesem Moment durch ein Schlagloch gefahren, haette ich waehrend dessen auch aufrecht stehen bleiben koennen.
Oben wird alles fuer die 32 Radler vorbereitet. Suppe, Saft und Schnittchen.
Ich versuche zur Gompa raufzulaufen und scheitere an der dritten Stufe. Bis dahin hatte ich echt alles gegeben. Herrjeh ist das anstrengend, soweit zum Thema trekking.
Beschraenke mich daher wieder darauf, auf einem Stuhl zu sitzen und Unmengen an Wasser zu vertilgen.
Um mich herum schwirrt eine aufgeregte “Journalistin” die sich die Exclusiv-Rechte an den ersten Bildern des Siegers sichern will. Wenn der Pulitzer-Preis zum greifen nah schein, darf man schon mal nervoes werden.
Die Ankunft des Siegers wird angekuendigt. Ich frage, ob noch Zeit fuer einen Klo-Besuch ist und verschwinde um die Ecke.
Sobald die Hockstellung eingenommen ist, ertoenen die ersten Jubelschreie. Nr. 10 (ein Ladakhi) hat das Rennen gemacht. In 3 Stunden und 18 Minuten !!!!!!!
Ist nicht schlimm, dass ich die entscheidene Szene verpasst habe. Die Journalistin hat die Zielfahne nicht wie gewuenscht im Bild. Nr. 10 wird also noch dreimal in Siegerpose ueber die Ziellinie fahren muessen.
Beim dritten mal wuenscht er sich: haette ich doch einfach ein neues Raetselheft gekauft….
Ab und an versperren Lkw der indischen Armee den Dreh-Ort, um Lebensmittel abzuladen. Unsere aufgeregte Journalistin versucht auch diese zu vertreiben. Nachdem der letzte Lkw seine Ladung losgeworden ist, stellt sie 3 Stuehle und einen Tisch auf den Lkw-Parkplatz. Weitere Lkw der Armee sollen so abgehalten werden.
Hoffentlich schnallt die pakistanische Regierung nicht, mit welchen einfachen Waffen die indischen Streitkraefte zu besiegen sind.